Mut, du selbst zu sein. Sabrina Schnitzler über Mythen und Wirklichkeit von Selbstvertrauen.

    Was bedeutet Selbstvertrauen wirklich – und was bedeutet es nicht?
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    Sabrina Schnitzler, Coachin für Selbstvertrauen und Autorin des Blogs unfold-yourself.de, teilt ihre Sicht auf Mythen und Wirklichkeit rund um das Thema Selbstvertrauen mit dir.

    Gesellschaftliche Klischees vs. echtes Selbstvertrauen

    Vielleicht denkst du über dich, du seist nicht selbstbewusst, weil es dir manchmal an Schlagfertigkeit, Redegewandtheit oder Selbstdarstellungsgeschick mangelt. Vielleicht ist dir allein der Gedanke unangenehm, andere könnten deine Unsicherheit bemerken. Oder du schämst dich gar dafür, dass deine zarten Seiten nicht dem Ideal des immer starken Managertyps oder der allzeit gut gelaunten Superwoman entsprechen.

    Auch ich saß diesen gesellschaftlichen Klischees und Denkirrtümern darüber, was Selbstvertrauen ist und wie es sich äußert, lange Zeit meines Lebens auf. Und sicher ahnst du es schon: Es war eine ziemlich anstrengende und unbequeme Zeit! Seitdem ich mich aber vor rund 10 Jahren auf den Weg gemacht habe, die wirkliche Bedeutung von Selbstvertrauen immer tiefer zu ergründen, hat sich nicht nur meine Sicht darauf fundamental verändert – auch mein ganzes Leben hat sich deutlich entspannt.

    Deshalb möchte ich in diesem Artikel mit dir gemeinsam einige gängige Missverständnisse rund um das Thema Selbstvertrauen entlarven und mein Verständnis davon teilen, auf welchen zwei Säulen wirkliches Selbstvertrauen fußt. Du erfährst, warum das Eingeständnis von Unsicherheit ein Zeichen von Selbstvertrauen ist und wie neugierige Selbsterforschung dir mehr Gelassenheit schenkt. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

    blonde Frau mit zwei Schildern in der Hand, auf denen "Kennen" und "Bekennen" steht

    Selbstvertrauen-Säule Nr. 1: Dich selbst KENNEN.

    Als Synonym für „Selbstvertrauen“ verwenden wir häufig den Begriff „Selbstbewusstsein“. Als selbstbewusst gilt gemeinhin, wer durchsetzungsfähig, von sich überzeugt und souverän im Auftreten ist. Und das am besten jederzeit. Du denkst, das sei ein unerreichbares Ideal? Ich auch! Lass‘ uns also diesen stressauslösenden Mythos direkt knacken.

    Ein Schlüsselmoment meines Lebens war der, als ich mir den Begriff „Selbst-bewusst-sein“ zum ersten Mal in seiner vollen Bedeutung und all seinen Bestandteilen auf der Zunge zergehen ließ. Wenn du magst, schließe gerne für einen Moment die Augen und spüre diesem eigentlichen Wortsinn einmal achtsam und neugierig nach.

    Spannend, oder? Fernab unserer stereotypen Assoziationen bedeutet Selbstbewusstsein eben nicht, immer stark, besonders laut oder übernatürlich kompetent zu sein. Befreien wir Selbstbewusstsein von seinem konventionellen Begriffsballast, bedeutet es vor allem eins: Uns unserer selbst bewusst zu sein. Oder einfacher gesagt: Uns selbst zu kennen. Doch was bedeutet das eigentlich?

    Dich selbst zu kennen meint ganz simpel: Mitzukriegen, wer du bist. Es meint, dir all deiner Facetten immer feiner und ehrlicher gewahr zu werden. Dazu gehört es,…

    • die hellen wie die dunklen Aspekte, die angenehmen und „vorzeigbaren“ genauso wie die unliebsamen, peinlichen und vielleicht sogar verhassten Seiten deines Wesens als Teil von dir zu begreifen.
    • die eigene Unsicherheit ebenso wie deine Selbstsicherheit, den Zweifel ebenso wie die Zuversicht, deine Verletzlichkeit ebenso wie die innere Stärke wahrzunehmen.
    • deine Verhaltensweisen, Denkmuster und Emotionen zu erkunden. Welche gehören zu deinem alltäglichen Standardrepertoire? Welche vermeidest du stattdessen lieber? Und von welchen wünschst du dir insgeheim mehr? Kurzum: Was sind deine anerzogenen Prägungen? Was hingegen deine ureigenen Wünsche, Träume, Sehnsüchte und Visionen? Was sind deine ungelebten Potenziale, was deine sicher gehüteten Geheimnisse?

    Ganz wichtig: Hier geht es nicht um eine Bewertung im Sinne von „gut“ oder „schlecht“, sondern zunächst um nüchternes Beobachten und dann im besten Fall um ein liebevolles Annehmen dessen, was dir dabei begegnet. Vielleicht fragst du dich jetzt: „Schön und gut – aber was habe ich denn am Ende konkret von dieser Innenschau?“ Das verrate ich dir gerne.

    Umso mehr es dir gelingt, allen Aspekten deines Wesens einen Platz in deinem Bewusstsein einzuräumen und möglichst urteilsfrei sowohl auf dein Licht als auch deinen Schatten zu schauen, desto weniger Energie musst du aufbringen, um etwas von dir zu verstecken. Wahrscheinlich kannst du dir vorstellen, wie unglaublich erleichternd und befreiend das ist! Anstatt ständig auf der Hut davor zu sein, eine vermeintliche Schwäche könnte ans Licht kommen, sagst du mit jedem Mal ein wenig entspannter „JA“ zu dem, was sich gerade in dir zeigt.

    Und als wäre das noch nicht Geschenk genug, liegt genau in dieser annehmenden Haltung auch der Schlüssel dafür, dass auf natürliche Weise Veränderung geschehen kann. Frei nach C. G. Jung:

    „Nur was ich annehme, kann (s)ich verändern.“

    Indem wir aufhören, gegen unsere Unsicherheit zu kämpfen, wandelt sie sich oft ohne unser Zutun – ein bisschen wie von Zauberhand – in Selbstsicherheit.

    Selbstvertrauen-Säule Nr. 2: Dich zu dir selbst BEKENNEN.

    eine Hand hält ein Schild mit "Bekennen" in die Kamera

    Sich selbst immer besser kennenzulernen ist also die halbe Miete und eine solide Basis für ein gesundes Selbstvertrauen. Doch nachdem wir im Zuge diese Selbsterforschung „nach innen“ gegangen sind, braucht es in der nächsten Phase auch den Schritt „nach außen“. Als soziale Wesen leben wir von der Interaktion mit anderen. In einer dualen Welt sind wir aufgefordert, unseren Platz in eben dieser zu finden und einzunehmen. Die Betonung liegt dabei auf „unserem“ Platz und nicht irgendeinem. Diesen finden wir dann, wenn wir in der äußeren Welt in Übereinstimmung mit unserer inneren Wahrheit leben – wenn wir uns zu uns selbst bekennen. Dies..

    • beginnt beim Aussprechen deiner Wünsche.
    • geht weiter mit einem unbequemen „Nein“ deiner Chefin oder deinem Partner gegenüber. Ebenso wie mit dem Kundtun (d)einer kontroversen Meinung in einem Gespräch.
    • und endet beim mutigen Umsetzen großer Herzensziele.

    An dieser Stelle verfallen viele Menschen dem Mythos, sie bräuchten erst genügend Selbstvertrauen, bevor sie z.B. klar Stellung beziehen oder den nächsten Schritt in Richtung ihrer Vision gehen könnten. Nach meiner Erfahrung ist es jedoch genau umgekehrt: Indem wir Mut fassen und trotz (oder besser: mit) Angst und Unsicherheit nach unserer inneren Wahrheit handeln, gewinnen wir gerade dadurch an Selbstvertrauen. Oder um es mit dem Song „Da draußen“ von Sarah Lesch zu sagen:

    „Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, dass man trotzdem springt.“

    Beginne also achtsam und gerne mit kleinen Schritten, dich in Bewegung zu setzen. Sei dir sicher: Jeder einzelne davon zählt!

    Dich zu dir zu bekennen kann in diesem Sinne auch bedeuten, deine eigene Unsicherheit nicht nur dir selbst, sondern auch anderen gegenüber offen einzugestehen. Ein solch authentischer Ausdruck des eigenen Innenlebens zeugt aus meiner Sicht vielfach von mehr Selbstvertrauen als seine wahren Gefühle künstlich zu überspielen. Ich beschreibe dies gerne mit dem so treffenden Wortspiel „selbstbewusst unsicher“.

    Zugegebenermaßen ist es keine leichte Übung, sich anderen mit Unsicherheit – oder allgemeiner: mit allem, was vermeintlich als Schwäche gilt – zu offenbaren. Schließlich machen wir uns damit verletzbar. Und das in einer Gesellschaft, die den achtsamen und mitfühlenden Umgang mit derart sensiblen Themen mehrheitlich nicht gewohnt ist. Es dennoch zu wagen bedarf Übung – am besten in geschützten Räumen (z.B. eines Seminars oder Coachings), mit einem vertrauenswürdigen Gegenüber und durch Lernen an guten Vorbildern.

    Doch auch ohne besonderes Setting kannst du wichtige Schritte tun, um dich kennen und bekennen zu lernen. Wie das praktisch aussehen kann, verrate ich dir in der kommenden Ausgabe des Fair Coachings Blogs anhand ausgewählter und erprobter Tipps. Du darfst dich freuen!

    Ich sende dir herzliche Grüße und sage: „Bis zum nächsten Mal!“

    Deine Sabrina

    Über Sabrina

    blonde Frau lacht in die Kamera und hat ihre Arme locker vor sich auf der Unterlage abgelegt

    Sabrinas Leidenschaft ist es, in Coachings, Webinaren und Blogbeiträgen…

    • …behutsam Räume zu eröffnen, in denen sich das Wesen ihres Gegenübers entfalten kann.
    • …Mut zu machen, dem Weg des eigenen Herzens zu folgen!

    Mehr zu Sabrina’s Arbeit findest du:

    Hier findest du aktuelle Fair Coachings Angebote zum Thema “Selbstvertrauen”.

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