Wie wir am besten mit Unsicherheiten und Ängsten in der jetzigen Zeit umgehen

    von Fair Coach Nina Lizon
    Wie wir mit Unsicherheiten umgehen
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    Üblicherweise starte ich einen Artikel mit einer schönen Anekdote oder einer lustigen oder nachdenklich stimmenden Frage. Nichts davon fühlt sich unter den derzeitigen Umständen richtig an. Denn es ist Krieg mitten in Europa. Es sind unfassbare Umstände und es erreichen uns schreckliche und grausame Bilder aus der Ukraine.
    Wir sind konfrontiert mit einer unbeherrschbaren und unvorhersehbaren Situation. Wir haben keinen Plan, wie es weitergeht. Und wir haben keine Kontrolle über die Situation. Da kommen neben Mitgefühl für die Flüchtenden und Trauer über die Opfer verständlicherweise auch Unsicherheiten und sogar Ängste auf.
    Was können wir am besten tun? Und wie finden wir einen Weg, mit diesen Ängsten umzugehen?

    Die eigene Angst und Ohnmacht akzeptieren lernen

    Zunächst einmal betone ich an dieser Stelle, dass wir Angst haben dürfen. Auch wenn wir nicht unmittelbar betroffen sind und nicht in gleichem Maße darunter leiden wie die Familien in der Ukraine: Wir dürfen unsicher sein und Angst empfinden. Das ist normal und nichts Schlechtes.

    Im Gegenteil: Wenn wir die Angst wegschieben, wenn wir nicht darüber sprechen und uns ihr nicht stellen . . ., dann rächt sich das. Es macht uns nervös, gereizt oder sogar aggressiv. Und im schlimmsten Fall kann es uns krank machen.

    Wir dürfen unsere Emotionen spüren und erleben. Denn das macht uns zu menschlichen Wesen. Wie nun aber damit umgehen? Wie schaffen wir es, die passive Ohnmacht zu überwinden und auch in der aktuellen Situation Selbstwirksamkeit zu erfahren?

    Der wahre Feind ist das Grübeln

    Machen wir uns eines an dieser Stelle klar: Die Angst ist nicht das Problem. Mit Angst können wir im Allgemeinen gut umgehen, unser Körper und unser Geist sind stark genug, Angst auszuhalten. Das Problem entsteht dann, wenn die Gedanken sich drehen und wenn wir aus dem Grübeln und aus negativen Gedankenspiralen nicht mehr herauskommen. Dieses Karussell negativer Gedanken dürfen wir nicht nähren, indem wir uns diesem hingeben, uns schlimme Szenarien ausmalen und uns gedanklich in unserem eigenen Worst Case Szenario verlieren.

    Wie können wir unser Gedankenkarussell stoppen? Dazu habe ich euch eine Methode mitgebracht, die ich als besonders hilfreich empfinde und darum auch gerne im Coaching anwende. Diese Übung hilft, uns im Moment zu verankern und wieder Kraft und Selbstwirksamkeit zu spüren.

    Weniger negatives Gedankenmodell in 5, 4, 3, 2, 1

    So geht sie, die „5-4-3-2-1-Übung“, um achtsam im Hier & Jetzt zu landen:
    5 Dinge, die ich sehen kann.
    4 Dinge, die ich hören kann.
    3 Dinge, die ich spüren kann.
    2 Dinge, die ich riechen kann.
    1 Dinge, die ich schmecken kann.
    Dabei nehme ich nacheinander ganz bewusst 5 Dinge mit meinen 5 unterschiedlichen Sinnen wahr. Die ersten
    Steps „Sehen“ und „Hören“ sind noch recht einfach. Für die nächsten Steps darf ich mich dann etwas mehr konzentrieren und meine Sinne voll erleben. Wichtig ist hierbei, dass wir uns auf jeden Schritt bewusst einlassen und diesen nicht einfach „abhaken“, sondern intensiv erleben: Rieche ich noch mein Duschgel vom Morgen? Schmecke ich noch einen Rest Kaffee auf der Zuge?

    Tipps zum Nachrichtenkonsum

    Das Schöne an dieser Übung ist, dass wir sie jederzeit machen können und überall hin mitnehmen können. Probiert sie mal
    aus, ich bin gespannt zu erfahren, wie ihr die Übung erlebt habt. Wenn sich diese Übung nicht gut für euch anfühlt, dann findet eure eigenen Techniken & Strategien. Sport oder Spazierengehen sind ebenfalls Möglichkeiten, sich bewusst im Hier und Jetzt zu erleben.
    Wichtig ist, dass wir uns dabei klarmachen, dass die Angst nicht einfach weggeht. Sondern dass diese Strategien uns helfen, bewusst mit der Angst umzugehen. Die Angst bleibt und wird vielleicht etwas kleiner und im besten Fall lernen wir eine friedliche Koexistenz mit unserer Angst.

    Sich Selbstwirksamkeit zurückerobern

    Wenn wir uns bewusst machen, dass wir Angst empfinden dürfen und dass es hilfreiche Strategien gegen die negativen Gedanken gibt, dann ist der nächste Schritt nicht weit: In Aktion treten und somit einen Teil Macht über die Situation (wieder) erlangen. Wir finden Gemeinschaft sowie Unterstützung und Verbindung in Demonstrationen sowie im Spenden. Auch wenn wir das Gefühl haben, jede Handlung sei ein Tropfen auf den heißen Stein, so kann jede*r einzelne von uns eben doch etwas bewirken. Und so kommen wir in Verbindung und spüren, wie viel wir in Gemeinschaft bewegen können. Nichts hilft mehr gegen das Gefühl der Ohnmacht.

    Abschließend möchte ich auf eine Chance verweisen, die mir Hoffnung macht. Wenn wir uns alle gemeinsam auf Frieden, Demokratie und Unabhängigkeit besinnen. Dann können wir als Europa wieder näher zusammenrücken und gemeinsam für unsere Werte eintreten und diese mit Leben füllen.

    Dieser Blogbeitrag liefert nur einen kleinen Ausschnitt aus möglichen Umgangsformen mit Angst und unsicheren Situationen. Wenn du langfristig daran interessiert bist, hilfreiche Strategien für einen selbstbewussten Alltag zu entwickeln, dann kontaktiere mich gerne auf Instagram oder schreibe mir eine Mail.

    Alles Liebe,
    Nina

    **Weitere Unterstützung in Krisensituationen:
    Telefonseelsorge Tel.: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222
    (Die Telefonseelsorge ist 24 Stunden erreichbar.)

    Bürgerinformationen (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe): Informationen für Betroffene (in verschiedenen Sprachen erhältlich) „Mit belastenden Ereignissen umgehen“ https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Mediathek/Publikationen/NOAH/MitbelastendenEreignissenumgehenallgemeineInfoA4.pdf?__blob=publicationFile&v=4

     

    Über Nina

    Nina Lizon

    Bildrechte: © Nina Lizon

    Nina sagt über sich:

    Ich bin Mama eines 7-jährigen Sohnes und lebe mit meiner Familie in München. Mit finnischen Wurzeln und verheiratet mit einem Franzosen bin ich mit dem Herzen in Europa zuhause. Mein Leben hat sich nachhaltig verändert, als ich den Mut hatte, meinen Job zu kündigen und mit meiner Familie auf eine 3-monatige Reise zu gehen. Seitdem achte ich noch stärker darauf, dass ich im Einklang mit meinen Werten lebe und dass ich als sinnvoll empfinde, was ich tue.

    Mit Menschen an ihrem Selbstbewusstsein zu arbeiten, ist ein schöner Teil davon. Meine Mission ist es, dass meine Kleine*innen ihre Selbstzweifel ablegen und sich von tief verwurzelten Blockaden lösen. Damit sie in jedem Bereich ihres Lebens souverän und authentisch auftreten. Und gleichzeitig liebevoll und wertschätzend im Umgang mit anderen bleiben. Diesen Spagat hinzubekommen: das schaffen meine Klient*innen in der Zusammenarbeit mit mir!

    Nina in 3 Worten:

    optimistisch, wertschätzend, einfühlsam.

    Mehr über Ninas Arbeit erfährst du hier:

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